Konzept – Bienenprojekt Hildburgschule

Die Hildburgschule summt!
… auf dem Weg zur bienenfreundlichen Schule

An der Hildburgschule Rinteln möchten wir uns mit dem Thema „bienenfreundliche Schule“ auf vielfältige Weise auseinandersetzen und uns dafür engagieren, dass es die Bienen bei uns gut haben, nicht nur die Honigbienen, sondern auch die vielen Arten heimischer Wildbienen, Schmetterlinge – und warum nicht auch die Spinnen? Nutzen und Stellenwert dieser Wirbellosen für die Natur und auch für uns Menschen können gar nicht genug betont werden. Gut 80 Prozent aller Nutzpflanzen und zahllose Wildpflanzen werden von Insekten bestäubt. Dabei gibt es oft enge Partnerschaften, bei der eine Pflanze nicht ohne einen bestimmten Bestäuber überleben kann und dieser nicht ohne seinen Nektar- oder Pollenspender. Alle Arten sind untereinander vernetzt und Biodiversität hier bedeutet Artenvielfalt. Diese Vielfalt an heimischen Pflanzen und Tieren ist bedroht durch unsere Lebensweise, die naturnahe Lebensräume immer stärker einschränkt, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im öffentlichen Grün, im privaten Garten, beim Wocheneinkauf und im Urlaub. Regional wie global ist die Vielfalt an Arten aber Voraussetzung für ein stabiles ökologisches System. Dieser Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Biodiversität sichert also nicht nur die Vielfalt unserer Lebensmittel, sondern auch den Erhalt unserer Kulturlandschaft, einer gesunden, lebenswerten Umgebung und nicht zuletzt auch des weltweiten Klimas. Insofern geht es hier um die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler. Wertschätzen kann man nur das, was man kennt!

Für unsere Schülerschaft ist uns eine ganzheitliche und nachhaltige Bildung, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und ein zukunftsorientiertes Leben mit und in der Natur wichtig. Die Thematisierung der Bedeutung von Insekten für unseren Alltag entspricht diesem Nachhaltigkeitsaspekt ebenso, wie die projektangegliederte Etablierung einer Garten-AG und vielleicht sogar der Aufbau einer eigenen Schulimkerei. Weiter trägt das Projekt Potenzial zur inklusiven Gestaltung des Schullebens, indem es unsere gesamte Schülerschaft anspricht, zusammenführt und motiviert Verantwortung zu übernehmen. Hierbei wird auch die eigene Persönlichkeitsentwicklung gefördert, soziales Lernen ermöglicht sowie das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Projektidee und Durchführung

Im Sommer 2021 sind wir im Rahmen von Projekttagen die ersten Schritte auf dem Weg zur „bienenfreundlichen Schule“ gegangen.
Die damalige Projektgruppe setzte sich dabei aus 15 Schülerinnen und Schülern des achten Jahrgangs zusammen. Gemeinsam mit den Klassenleitungen, achteten die beiden Förderschullehrerinnen, die das Projekt leiteten, darauf, insbesondere Schülerinnen und Schüler auszuwählen und zur Mitarbeit im Bienenprojekt einzuladen, die sich im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung auffällig zeigten. Diese spezifische Zusammensatzung der Projektgruppe gibt bereits einen deutlichen Hinweis auf die sonderpädagogische und inklusive Komponente der Projektidee, die in der pädagogischen und didaktischen Konzeption noch genauer beschrieben wird.

Während des Pilotprojektes erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zur Mitbestimmung, indem sie ihre Vorstellungen in die weitere Projektplanung einfließen lassen konnten. Gemeinsam entstanden unzählige Ideen, die ein breites Interesse der Schülerschaft an Natur und Umwelt widerspiegeln und als gut gefüllter Fundus für weitere Projekte sogar weiter dienen können.

Neben den Planungen blieb aber natürlich auch Zeit, um in die praktische Arbeit zu starten und erste Erfahrungen mit Themen und Aktionen rund um das Thema „Biene“ zu sammeln. Gemeinsam wurden aus Alltagsmaterialien Nisthilfen/ Bienenhotels gebastelt und in den heimischen Gärten aufgehängt, Nisthilfen aus Ton für den zukünftigen Bienengarten gebaut und der Bienenschaugarten „Melissa“ besucht. Der Ablauf des ersten Bienenprojektes ist als Mindmap im Anhang zu finden.
Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass die positiven Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler und auch das Engagement der außerschulischen Expertinnen und Experten das Projektvorhaben deutlich gestärkt haben. So war am Ende der Projekttage allen klar, dass es weitergehen soll.

Entlang der Leitfrage: „Was können wir als Schule tun, um (wild)bienenfreundlich zu werden?“ sind mehrere Bausteine entstanden, die zukünftig im Bienenprojekt vereint werden sollen:

Ausblick und Bausteine des Bienenprojekts an der Hildburgschule
  • einen Bienengarten anlegen
    Bienen brauchen Nektar und Blütenpollen als Nahrung. Um den Bienen bei der Nahrungssuche zu helfen, ist das Anpflanzen einiger Sträucher und das Umwandeln von Rasen in eine Wildblumenflächen geplant. Hierbei wird es wichtig sein, dass es sich um wilde Arten handelt und um solche, die einheimische Wildbienen auch wirklich als Futterpflanzen nutzen. Außerdem sollten möglichst Stauden mit unterschiedlichen Blütezeiträumen gepflanzt werden, damit über einen möglichst langen Zeitraum Nahrung zur Verfügung steht. Bei der Auswahl der Sträucher, Stauden und Saatmischung stehen uns außerschulische Partner zur Verfügung. Außerdem werden wir Teil des gemeinsamen Mitmachprojektes der Stadt Rinteln, des NABU Rinteln und des Imkervereins Rinteln „Hier blüht euch was!“.
  • Nisthilfen für Wildbienen bauen
    Die Nistplatzsuche stellt für die Wildbienen oftmals ein Problem dar. Sie leben nicht wie Honigbienen zu Tausenden in einem Stock. Der Großteil von ihnen lebt alleine und sorgt nur für ihre eigene Nachkommen. Dazu legen sie ihre Eier in Gänge, die sie im Boden oder in morschem Holz anlegen. Sie nutzen auch schon bestehende Hohlräume, zum Beispiel in Pflanzenstängeln oder Mauerritzen.Indem wir geeignete Nisthilfen bauen und diese im Schulgarten anbringen, möchten wir den Wildbienen helfen.

    Frau Rollinger (NABU Rinteln) erklärte uns, wie die Nisthilfen aussehen und wie sie angebracht werden sollten. Die Nisthilfen können aus Ziegeln, Lehm, Holz oder hohlen Pflanzenstängeln bestehen. Ein regengeschützter Standort oder ein überstehendes Dach an der Nisthilfe ist sehr wichtig, da zu viel Feuchtigkeit den Nahrungsvorräten und der Brut der Wildbienen schadet.
  • Kooperationen mit außerschulischen Experten und Expertinnen
    Wir bemühen uns zurzeit stets um Kooperationspartner sowie Förderer, die mit Rat und Tat unterstützen. Derzeit bestehen bereits Kontakt zu Frau Rollinger/ NABU Rinteln, die zudem Initiatorin von „Hier blüht euch was!“ (Aktionsplan der Stadt Rinteln) ist. Außerdem ist geplant, mit dem Imkerverein Rinteln zu kooperieren.
  • Imkerei-AG
    In einer Imkerei-AG erleben Schülerinnen und Schüler hautnah, wie man sich richtig um ein Bienenvolk kümmert. Zukünftig ist die Betreuung von zwei bis vier Bienenvölkern angedacht. Während der praktischen Arbeit an den schuleigenen Bienenvölkern, soll auch den Fragen nachgegangen werden: Wie funktioniert so ein Bienenstaat überhaupt? Wie entsteht eigentlich der Honig? Wann ist der Honig reif und wie wird er gewonnen? Wie wird er abgefüllt und wie gelagert? Welche Krankheiten bedrohen ein Bienenvolk? Welche Maßnahmen können gegen Bienenkrankheiten getroffen werden? Wie merkt man, ob ein Volk schwärmen will? Zu den Aufgaben wird die Pflege der Bienen, das Ernten und Verkaufen des Honigs (z.B. auf Schulfesten oder dem Rintelner Bauernmarkt) sowie das Verarbeiten des Bienenwachses gehören.
  • Garten-AG
    Die Garten-AG wird sich zum einen um die Gemüsebeete und zum anderen aber auch um den naturnah angelegten Bienengarten kümmern. Dabei verzichten sie auf den Einsatz von Pestiziden.
    Im Kontext des Gemüseanbaus auf dem Schulgelände können die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung der Bienen für den Menschen konkret erfahren. Um den Bienen ein größeres Nahrungsangebot zur Verfügung zu stellen und ihren Lebensraum attraktiver zu gestalten, wird das Schulgelände mit Stauden, Kräutern und passenden Blumen bepflanzt (s. „einen Bienengarten anlegen“).
  • fächerübergreifende Einbindung in den Unterricht
    s. pädagogische und didaktische Konzeption
  • Bienencam
    Eine Bienencam könnte einen Bienenstock beobachten und über die Schulhomepage erreichbar sein – so hätte jeder immer Zugang zu den fleißigen Bienen.
  • Kooperation mit dem Gymnasium Ernestinum
    Die Hildburgschule und das Gymnasium Ernestinum sind direkte Nachbarn. Auch das Gymnasium hat bereits einige Projekte zum Thema Insekten, Bienen und allgemein zur Natur und Umwelt durchgeführt. Hierbei ist beispielsweise ein großes Insektenhotel und ein Blühstreifen entstanden. Außerdem existiert auf Außengelände hinter dem Gymnasium bereits eine Streuobstwiese.

Zukünftig soll es in jeder Projektwoche Kurse für Interessierte geben, um diese für die aktive AG-Arbeit zu werben. Außerdem sollen die Schülerinnen und Schüler bei vielen Gelegenheiten rund ums Jahr für die Bienen und Wildbienen aktiv sein.

Es ist geplant, dass die Mitglieder der verschiedenen Bausteine bzw. Arbeitsgemeinschaften im Rahmen von Projektsitzungen immer wieder das gemeinsame Ziel „bienenfreundliche Schule“ evaluieren und ihre Aktionen gemeinsam koordinieren und absprechen.

Rahmenbedingungen an der Hildburgschule

Dank des Neubaus des Schulgebäudes verfügt die Hildburgschule über ein weitläufiges Schulgelände mit großen Schulhofflächen, die viele Spielmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten bieten. Die Pflasterflächen werden dabei regelmäßig von Pflanzbeeten und altem sowie neuen Baumbestand unterbrochen und durch große Rasenflächen ergänzt. Außerdem umschließt das Schulgebäude drei Innenhöfe, in denen sich ebenfalls große Pflanzflächen mit Stauden befinden.
Mit Blick auf eine bienen- und insektenfreundliche, naturnahe Gestaltung fallen aber dennoch optimalere Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten auf. So besteht auf der großen Freifläche hinter der Schule die Möglichkeit, einen Bienengarten, Hochbeete und Kräuterbeete anzulegen.
Die konkrete Umsetzung der Projektbausteine ist leider von den aktuell noch andauernden Landschaftsbauarbeiten am Außenbereich abhängig.

Während der Durchführung des Pilotprojektes im Sommer 2021 und der anschließenden Planungsphase des weiteren Vorgehens bekundeten Großteile des Lehrerkollegiums immer wieder ihr Interesse. Wie sich zeigte, besitzen viele Lehrkräfte selbst große Gärten und wünschen sich schon lange einen Schulgarten. Auch für die Imkerei-AG gibt es mehrere Lehrkräfte, die ihre Mitarbeit angeboten haben und bereit wären, die notwendigen Schulungen bzw. einen Imkerlehrgang zu besuchen.
Wir können somit bereits auf einen ausreichend großen Grundstock von engagierten Lehrkräften für die Aktionen zurückgreifen.
Hierbei scheinen insbesondere die Angebote aus den Fachschaften Nawi, Technik, Hauswirtschaft und Sonderpädagogik hilfreich, um das Projekt langfristig und fest zu installieren.

Pädagogische und didaktische Konzeption

Das Projekt ist von sich aus handlungsorientiert und praktisch angelegt. Folgende Ziele werden mit dem Projekt verfolgt:

Die Schülerinnen und Schüler…

» lernen die Biologie und Lebensweise der Wild- und Honigbiene kennen und setzen sich mit den hochkomplexen Abläufen im Bienenvolk auseinander.
» erfahren Zusammenhänge in der Natur (Verbindung von Ökologie und Ökonomie).
» schulen ihre Beobachtungsgabe und bauen Berührungsängste gegenüber der Biene ab.
» stärken ihre Sozialkompetenz durch die enge Zusammenarbeit in der Projektgruppe und in den AGs.
» lernen die Imkerei und die Gärtnerei als Hobby und auch als Beruf kennen.
» erlernen gestalterische und vor allem handwerkliche Fähigkeiten.
» erfahren die Arbeit in Abhängigkeit von den Jahreszeiten (phänologischer Kalender).
» übernehmen Verantwortung gegenüber Lebewesen, Pflanzen und der Natur im Allgemeinen und erfahren die Bedeutung der Nachhaltigkeit praxisorientiert.

Wie bereits dargestellt, soll in der Imkerei-AG der eigene Honig auch geerntet werden. Dieser kann dann auf Schulfesten oder dem Rintelner Bauernmarkt verkauft werden, wodurch die laufenden Kosten der Imkerei zum Großteil gedeckt werden könnten. Hierdurch wird den Schülerinnen und Schülern gleichzeitig der ökonomische Nutzen der Biene vermittelt.

Das Projekt bietet zudem fächerübergreifende Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten.
Das Thema „Biene“ bzw. Insekten ist Teil des Faches Naturwissenschaft und lässt sich sowohl im Kerncurriculum für die IGS als auch im schuleigenen Arbeitsplan im Doppeljahrgang 5/6 verankern. Im Rahmen des Nawi-Unterrichts könnte beispielsweis eine Schaubeute genutzt werden und die Schülerinnen und Schüler der Imkerei-AG könnten als Experten zur Verfügung stehen und Einblicke in das Leben eines Bienenvolkes geben.
Es könnten und sollten aber auch weitere Fächer an das Projekt und die AGs gebunden sein, u.a.:
█ Werken und Technik: Bau von Bienenkisten und Rähmchen sowie Instandhaltung und Reparatur der Beuten
█ Hauswirtschaft: Ernte und Verarbeitung des eigenen Honigs, der eigenen Kräuter und des eigenen Gemüses
█ Wirtschaft: Ökonomischer Nutzen der Honigbiene
█ Berufsorientierung: der Beruf des Imkers, der Beruf des Gärtners

Im inklusiven Schulsetting bietet insbesondere die projektorientierte und handlungspraktische Arbeit in Arbeitsgemeinschaften verschiedenste Möglichkeiten einer natürlichen Differenzierung und einer Förderung individualisierter Lernprozesse. Im Rahmen des Bienenprojektes soll eine gezielte Einbindung von Schülerinnen und Schülern mit Bedarfen an sonderpädagogischer Unterstützung erfolgen. Bereits in der Durchführung des Pilotprojektes haben sich förderliche Prozesse im authentischen sozialen Lernen gezeigt, sodass das Bienenprojekt deutliches Potential für die sonderpädagogische Arbeit an der Hildburgschule mitbringt.

Die Arbeit in den AGs ist zeitaufwendig und abhängig von den Jahreszeiten und vom Wetter. Beides führt dazu, dass eine Kommunikation über die AGs und Projektaktionen im Schulalltag stattfinden wird. Auch die Ergebnisse bzw. Erträge (Gemüse, Kräuter, Honig) tragen zur ständigen Präsenz des Projektes bei.

Abschlussbetrachtung:

Wie innovativ ist das Projekt?
Für unsere Schule ist es absolutes Neuland, die Möglichkeit zu haben, über eine ökologische und insektenfreundliche Gestaltung des Schulgeländes nachzudenken. Noch an den alten Standorten bestanden die Schulhöfe aus Schotter und Beton; eine Umgestaltung war nicht möglich.

Vor dem Hintergrund des „Insektensterbens“ erscheint es immens wichtig, die Schülerinnen und Schülern aufzuklären und mit ihnen Handlungsmöglichkeiten zum Insekten- bzw. Bienenschutz zu erarbeiten.

Wie nachhaltig ist das Projekt?
Das Projekt spricht die gesamte Schulgemeinschaft an.
Durch die unterrichtliche Einbindung der Projektthemen werden aufsteigend alle Schülerinnen und Schüler erreicht. Die aktive Mitarbeit in den projektangegliederten AGs ist jahrgangsübergreifend allen Schülerinnen und Schülern freigestellt.
Außerhalb der Schule wird das Projekt durch die Vernetzung mit den Kooperationspartnern und auch durch Aktionen auf Wochenmärkten und Bauernmärkten sichtbar.

Wie effizient ist das Projekt?
Nach der Anschaffung der Grundausstattungen, wird sich das Projekt größtenteils selbst tragen; durch die Verkäufe und durch Spenden. Außerdem ist ein Mehrwert darin zu sehen, dass es den Ganztag bereichert, zum aktiven Schulleben beiträgt.

Quellenangaben und weiterführende Links

https://www.hierbluehteuchwas.de/konzept/einladung-und-umsetzung/
https://www.imkervereinrinteln.de/informationen-und-mitglieder/informationen/
https://www.bienen-schule.de

Bildquellen:
https://www.pixabay.com
Fotos: Rollinger, Lohrengel und Waltemathe

Projektgruppe:

Frau Waltemathe, Frau Lohrengel, Frau Bork, Herr Weiner, Herr Rudolf



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